Dankbarkeit

Hallo Wuppertal und das ganze Drumherum,

 

es gibt diese Tage im Leben, die erden mich ungemein und lassen mich zutiefst dankbar sein für all das, was ich im Leben habe.

Trotz all dem, was uns ständig auffällt, was wir nicht besitzen, nicht erreicht haben im Leben und uns nicht leisten können, geht es vielen von uns doch so unwahrscheinlich gut und wir sind wahrlich große Meister darin, uns des Werkzeuges des „Jammerns auf hohem Niveau“ zu bedienen.

Ich möchte euch daher heute hier ein wertvolles Projekt ans Herz legen, das ich so unglaublich richtig und wichtig und toll finde, dass Ihr alle unbedingt davon erfahren müsst.

Nach erfolgreichem Abschluss meiner Techniker- Schule im Jahr 2013 habe ich bedauerlicherweise nicht sofort den passenden Job gefunden und war eine Weile arbeitslos.

Um nicht ausschließlich zu Hause rum zu sitzen, das Internet nach einer passenden Stelle zu durchforsten, Bewerbungen zu schreiben und mich komplett nutzlos zu fühlen, habe ich im Herbst 2013 eine ehrenamtliche Arbeit im Kinderkleiderladen des deutschen Kinderschutzbundes Wuppertal begonnen.

Im Kleiderladen „Zum kleinen Elefanten“ an der Schlossbleiche 18 in Wuppertal Elberfeld wird Säuglings-, Kleinkinder-und Kinderkleidung, sowie auch Kinderbücher, Spielzeug und Kuscheltiere verkauft.

Die hier angebotenen Teile stammen aus Spenden, die im Lädchen, das direkt gegenüber der Schwebebahnstation Hauptbahnhof (Döppersberg) liegt, abgegeben werden können, der Verkaufserlös kommt der Arbeit des Deutschen Kinderschutzbundes Wuppertal zugute.

Die abgegebenen Spenden werden von den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen sehr großzügig vorsortiert, damit nur einwandfreie bzw. sehr gut erhaltene Ware in den Verkauf kommt. Jede einzelne Spende ist willkommen, und die Leute spenden wirklich reichlich, woran auch wieder zu erkennen ist, dass es dem Großteil von uns doch ziemlich gut geht.

Zu stark verschmutzte, verschlissene oder löchrige Kleidung ist für den Verkauf ungeeignet, wird aber von einem externen Dienstleister abgeholt und zu Putzlappen verarbeitet. Auch hierfür erhält der Deutsche Kinderschutzbund Geld, es ist also keine Spende vergebens.

Ich muss sagen, dass ich den Ablauf vom Eintreffen der Spende bis zur liebevollen Präsentation im kleinen Ladenlokal sehr beeindruckend finde. Die Ware wird nicht nur qualitativ sondern auch saisonal vorsortiert, von Ende März bis September bekommt man im Laden Sommerkleidung zu kaufen, entsprechend von

September bis März Winterkleidung. Auf freundliche Nachfrage sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen aber immer gerne bereit, im großzügigen Lager nach dem passenden Kleidungsstück zu suchen. Was irgendwie möglich ist, wird auf jeden Fall möglich gemacht.

- Die passende Schuhgröße ist oben im Laden nicht dabei? Oder Sie benötigen vielleicht doch im November für Ihre Kleine Sandalen? Kein Problem, wir schauen gern, was wir für Sie tun können. -

Ich hab den Job wirklich richtig gerne macht, vor allem dann, wenn die Kinder selbst dabei waren, zum Beispiel in die angebotenen Schuhe hineinschlüpften und mit leuchtenden Augen zu einem aufschauten, nickten und Mama auch happy war, weil sie die Schuhe zum kleinen Preis bekam.

Wie unglaublich wichtig ein solches Angebot an guter gebrauchter Kleidung für Kinder für kleineres Geld ist, hat mir folgende Situation gezeigt, die mich zugleich unendlich traurig ob der Lebenssituation anderer Menschen und auch dankbar für mein eigenes Leben gemacht hat:

während einer meiner Montags- Schichten im Winter kam eine junge Mama mit Kinderwagen und ihrer Freundin zu uns in den Laden. Die beiden jungen Frauen waren in der Stadt unterwegs und das Baby hatte sich von oben bis unten bespuckt. Die Mutter des Babys fragte, ob wir wohl Strumpfhosen und Bodies in Größe 74 oder 80 hätten, damit sie den Kleinen umkleiden könne, außerdem benötige sie Spucktücher.

Wir zeigten ihr das entsprechende Regal, sie suchte sich sieben Teile aus und fragte nach dem Preis. Nun muss man dazu wissen, dass die Waren im „kleinen Elefanten“ damals preislich nicht gekennzeichnet waren (sein durften). Die Mitarbeiterinnen können relativ frei entscheiden, zu welchem Preis sie die

Artikel verkaufen. Hierbei spielt sicherlich das Erscheinungsbild des Käufers eine große Rolle.

Versteht mich hier bitte nicht falsch, es ist auf gar keinen Fall abwertend gemeint, aber diesem jungen Mädel sah man, wie manchen anderen auch, an, dass sie finanziell sicherlich nicht allzu gut gestellt ist. Dementsprechend bot meine Kollegin ihr die sieben Teile für nur 3,50 € an.

Die junge Frau schaute sie sehr dankbar an, sagte dann aber, sie müsse eben schauen, ob sie so viel Geld noch in ihrem Portmonee hätte, sonst müsste sie noch zur Bank. Das war der Punkt, der mir fast die Tränen in die Augen getrieben hat. Wenn ich überlege, wie oft ich gedankenlos für irgendwelchen Kleinkram, Nagellacke oder sonstiges 4-5 Euro ausgebe, und diese junge Frau muss schauen,

ob sie noch 3,50 € in der Tasche hat…!

Und an alle Kritiker: Nein, verdammt! Sie hatte nicht den Korb unter dem Kinderwagen voll mit Tüten mit Klamotten von H&M, New Yorker oder was weiß ich. Dieses Mädel sah in der Tat so aus, als müsse es jeden Euro umdrehen und könne sich nicht die kleinste Kleinigkeit extra gönnen.

Hier reagierte mein Helfersyndrom extrem, am liebsten hätte ich die drei mit nach Hause genommen,

eine reichhaltige warme Suppe gekocht und ihr gesagt, sie möge sich doch meinem Kleiderschrank irgendetwas aussuchen. Nun muss man ja bedenken, dass ich in dieser Zeit arbeitslos war und auch mit meinem Geld sehr gut wirtschaften musste, und doch ging es mir scheinbar finanziell umso vieles besser ihr.

Dieser Moment, diese kurze Begegnung mit jener jungen Frau hat mich tief berührt und sehr stark geprägt. Für den einen oder anderen ist dieses vermeintlich „normale mittelständische“ Leben, das ich führe und aus meinem Elternhaus gewohnt bin, eben nicht normal. Ich finde wirklich, wir sollten uns viel öfter vor Augen führen, wie dankbar wir für all das sein müssen, was wir haben oder was wir uns eben aufgrund einer guten schulischen Vorbildung, die nicht jedem gegeben ist, erarbeiten können.

Sicher, ich bin ein großer Verfechter von „jeder ist seines Glückes Schmied“ und „wer will, der kann auch“. Und dennoch bin ich der Meinung, dass vielen unserer Mitmenschen einige Dinge verwehrt bleiben allein aufgrund ihrer Herkunft und familiären Voraussetzungen.

Ich möchte hier keinen sozialkritischen Artikel verfassen oder eine große Diskussion lostreten, ich hoffe aber inständig, wir sind uns alle darüber einig, dass vielleicht gerade in Städten wie Wuppertal, mit einer Arbeitslosenquote von 9,9 % (Quelle https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Regionen/Politische-Gebietsstruktur/Nordrhein-Westfalen/Wuppertal-Stadt-Nav.html), solche Angebote wie das des deutschen Kinderschutzbundes mit dem „Kleinen Elefanten“ mehr als wichtig und wünschenswert sind.

Ich selber konnte leider nur wenige Monate im Kinderkleiderladen helfen, danach bekam ich wieder einen festen Job, der unglücklicherweise nicht mit den Öffnungszeiten des Ladens vereinbar war, so dass ich meine ehrenamtliche Tätigkeit wieder aufgeben musste. Viele der Frauen sind aber seit der Eröffnung

des Ladens 2009 dabei und verrichten wirklich tolle Arbeit.

Der Platz im Lädchen ist begrenzt, jeder ist aber ständig bemüht, Ordnung zu halten und die Waren so liebevoll, dennoch strukturiert und schön wie nur möglich herzurichten. Das Schaufenster wird immer wieder einmal umdekoriert, um neue visuelle Reize zu schaffen und mehr Kundschaft in den Laden zu locken.

Wir selber geben seit dieser Zeit unsere getragene Kinderkleidung nur noch dort ab, weil wir den doppelten Effekt einfach toll finden: Menschen, denen es finanziell nicht ganz so gut geht wie uns, finden dort gute gebrauchte Kleidung für ihre Kinder für kleines Geld, und der Erlös kommt dem Kinderschutzbund zugute. Übrigens betreibt der Kinderschutzbund in der Laurentiusstraße 26 auch

einen Kleiderladen für Erwachsene, hier könnt Ihr Eure eigene Kleidung hinbringen.

Liebes Wuppertal und das ganze Drumherum, mir ist bewusst, dass dieser Beitrag relativ einseitig ist. Ich schreibe nur über diesen tollen, süßen Laden, in dem ich so gern mitgeholfen habe, die mehr als wertvolle Arbeit des Kinderschutzbundes selber erwähne ich nur am Rande. Ich gehe jedoch davon aus, dass Euch der Begriff „Kinderschutzbund“ geläufig ist, und wer an der Arbeit dieser Organisation Interesse hat, kann hier mehr über den Ortsverband Wuppertal erfahren.

Ich fürchte aber, dass viele das wunderbare Angebot des Kleiderladens „Zum kleinen Elefanten“ nicht kennen, daher ist es mir eine Herzensangelegenheit, hier darauf zu verweisen. Schaut an der

Schlossbleiche 18 vorbei, wenn Ihr das nächste Mal in Elberfeld seid, nehmt vielleicht ein süßes Shirt für Eure Kleine oder eine coole Jeans für den Großen mit, lasst eure Kinder ihr neues Lieblingsbuch aussuchen und geht alle happy nach Hause.

Und wenn Ihr mal wieder Euren oder den Kleiderschrank der Kurzen aussortiert, habt Ihr ab sofort zwei Anlaufstellen, an denen Eure Kleidung gern angenommen wird! Vielleicht sehen wir uns ja dort ….

 

P.S. Frau Holzmann vom Kinderschutzbund betonte während unseres Fototermines, dass aktuell vor allem Mangel an Spielzeug und Stofftieren herrscht. Habt Ihr gerade das Kinderzimmer entrümpelt? Dann nichts wie hin mit den Schätzen zum „Kleinen Elefanten“. Lieben Dank an Euch alle!!

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Kommentare: 2
  • #1

    Birthe (Freitag, 09 September 2016 11:10)

    Liebe Sandra, ich wusste bereits vorher wie viel dir an diesem Lädchen und den Menschen, die dahinter stecken liegt, aber dein Artikel verdeutlicht das noch einmal sehr. Ich hoffe, dass du einige Menschen dazu bewegen kannst sich ebenfalls dafür zu begeistern, zu spenden oder zumindest die Werbetrommel zu rühren! Ich freue mich sehr, dass du dieses kleine Herzensprojekt nun endlich online hast ;-) LG

  • #2

    Eveline (Montag, 12 September 2016 21:39)

    Sehr schön geschrieben, liebe Sandra. Und bei der Suppe, die du so gern kochst kann ich mir bildlich vorstellen, wie du den Thermomix anschmeisst... ;-) Wenn wir mal in der Gegend sind, schauen wir gerne mal vorbei! LG aus der sympathischen Stadt an der Ruhr